Bissingen
Die heutige Großgemeinde Bissingen bildet eine geographische wie verwaltungsmäßige Einheit, vereinigt sie doch in sich jene 18, oft kleinen und kleinsten Gemeinden, die sich bis zur Gebietsreform in den Anteil des Landkreises Dillingen am mittleren und oberen Kesseltal und damit in die nordöstliche Ausbuchtung des Landkreisgebietes geteilt hatten. Das Kesseltal liegt im Bereich der Schwäbischen Alb zwischen dem Rennweg, einem Höhenweg im südlich gelegenen geschlossenen Waldgürtel zum Donautalabfall hin, und den Riesrandhöhen der "Rauhen Wanne" im Norden. Der Name kommt vom Flüsschen Kessel, welches im Nachbarlandkreis Donau-Ries westlich Amerdingen in einem "Kessel" entspringt und einen - bedingt durch die im Zusammenhang mit der Riesentstehung stehenden geologischen Verwerfungen - stark gewundenen Mittellauf (mit mehreren Laufrichtungsänderungen) aufweist.
In die Marktgemeinde Bissingen wurden zunächst zum 01.07.1971 die Gemeinden Buggenhofen, Burgmagerbein, Gaishardt, Göllingen, Hochstein, Kesselostheim und Unterbissingen eingegliedert, zum 01.01.1972 folgten Diemantstein, Fronhofen, Thalheim und Warnhofen, und zum 01.05.1978 schließlich Oberliezheim, Stillnau und Unterringingen (letzteres hatte bereits zum 01.07.1971 die Nachbargemeinden Leiheim, Oberringingen zu Zoltingen aufgenommen).Der Markt Bissingen liegt am linksseitigen Talhang im mittleren Kesseltal an einer Durchgangsstraße vom Donautal zum Ries.
Bissingen, das als Urmark und Urpfarrei für das mittlere Kesseltal anzusprechen ist, geht auf eine alemannische Gründung des 7. Jahrhunderts zurück. Dieser Zeit gehört ein größeres Reihengräberfeld aus dem östlichen Ortsbereich an. Der Name Bissingen bedeutet soviel wie zu den Leuten eines Bisso.
Bissingen wird erstmals um das Jahr 1140 als Biscingen genannt. Zu dieser Zeit war der Ort - damals noch Dorf - Sitz hohenburgischer Ministerialen. Dies lässt darauf schließen, dass Bissingen schon damals zur Herrschaft Fronhofen-Hohenburg gehörte. Mit dieser Herrschaft kam der Ort vor dem Jahre 1281 an die Grafen von Oettingen. Im 14. Jahrhundert saßen zu Bissingen - wohl als oettingische Lehensleute - Herren v. Reichen, die ihren Namen von Hohenreichen bei Wertingen herleiten.
Die Grafen von Oettingen verpfändeten die Herrschaft Hohenburg 1327 für kurze Zeit an die Herren v. Zipplingen, doch kam sie vor 1339 wieder an sie zurück. Im Jahre 1455 verkauften sie die Herrschaft an die Schenke v. Schenkenstein, unter denen sich ihr Schwerpunkt von der Hohenburg nach Bissingen verlagerte. Die Herrschaft, jetzt Hohenburg-Bissingen genannt, kam 1557 über Johann Waldemar, Herrn v. Lobkowitz und Hasenstein, an den bekannten Landsknechtführer und Feldhauptmann Sebastian Schertlin v. Burtenbach, welcher in ihr die Reformation einführte. Doch bereits unter den Herrschaftsnachfolgern seit 1568, den Herren v. Bemmelberg, wurde die Gegenreformation durchgeführt. 1651 verkauften die Bemmelberg die Herrschaft an den Grafen Karl Fuchs v. Fuchsberg, doch konnte dieser die Kaufsumme nicht aufbringen, weshalb sie 1660 an die Bemmelberg zurückfiel und von ihnen ein Jahr später an die Grafen v. Oettingen-Wallerstein verkauf wurde.
Kurz nach dem Erwerb der Herrschaft Hohenburg erbaute Sebastian Schertlin für seinen Sohn Hans Sebastian Schertlin in den Jahren 1558/59 das heutige Schloss Bissingen, einen dreigeschossigen Rechteckbau mit angesetzten erkerartigen Ecktürmen, deren Zeltdächer an das Giebeldach angeschleppt sind. Einen Schlossvorraum ummauerte Schertlin und setzte an sein nördliches Ende einen Torbau, wenig später (1564) verstärkte er die Anlage durch zwei wehrhafte Türme im Zuge der Schlossringmauer.
Durch diesen neuen und für seine Zeit repräsentativen Herrschaftssitz wurde Bissingen zum Hauptort der Herrschaft Hohenburg-Bissingen. In der zweiten oettingischen Zeit war Bissingen weiterhin Sitz eines Oberamts der Grafschaft Oettingen-Wallerstein und kam mit deren Mediatisierung im Jahre 1806 an Bayern.
Die gutsherrliche Gerichtsbarkeit blieb aber weiterhin bis zu ihrer Einziehung durch das Königreich Bayern im Jahre 1848 bei den Fürsten von Oettingen. Nach der Auflösung u. a. des fürstlichen Oberamts Hochhaus wurde der Bissinger Zuständigkeitsbereich zum 01.04.1807 als Justizamt neu formiert und erheblich ausgedehnt (u. a. auf die oettingischen Untertanen zu Nieder- und Hohenaltheim, Bollstadt, die einst Hochhausischen Untertanen im oberen Kesseltal, Kesselostheim, Brachstadt, Oppertshofen und die oettingischen Einödhöfe östlich davon bis an die Wörnitz bei Huttenbach und Neudeck). Der Name dieses Amtes änderte sich in Untergericht (1811), Mediagericht (1817) schließlich in Herrschaftsgericht (1818 - 1852) abgelöst wurde. Zum 01.04.1851 wurden einige der östlichen Einödhöfe abgetrennt (Huttenbach, Neudeck, Seibertsweiler, Abtsholzerhof), Bissingen bekam aber die landgerichlichen Untertanen in verschiedenen, bis dahin gemischten Orten hinzu und zum 01.10.1852 auch noch Zoltingen, Aufhausen und Forheim im Westen sowie Rohrbach, Schaffhausen und Mauren im Osten. Zum 01.10.1852 wurde Bissingen Sitz eines Landgerichts, das fast 10 Jahre lang bestand und zum 01.07.1862 aufgelöst wurde. Einige Ries- und Riesrandgemeinden im Nordwesten auf Nordosten wurden dabei Dillingen (sowie Land-/Amtsgericht Höchstädt zugeteilt; Brachstadt und Oppertshofen wurden erst zum 01.10.1879/01.01.1880 vom Amtsgericht Höchstädt/Bezirksamt Dillingen abgetrennt und Donauwörth zugewiesen). Bereits 1281 wird Bissingen als Markt genannt. Auf wen die Markterhebung zurückgeht, auf die Herren v. Fronhofen-Hohenburg oder aber auf die Grafen v. Oettingen, lässt sich nicht sagen. 1418 verlieh König Sigmund den Grafen für Bissingen vier Jahrmärkte und einen Wochenmarkt. Nach diesem hervorstechenden Merkmal der Marktgerechtigkeit hieß Bissingen 17./18. Jahrhundert auch Markt Bissingen (zur Unterscheidung von dem südlich von Bissingen gelegenen Unterbissingen sowie anderen Orten mit den Namen Bissingen, etwa jenem im Lontal gelegenen).
Die Herrschaft Hohenburg hatte zu Bissingen im Jahre 1455 23 Untertanen, im Jahre 1559 besaß sie dort zwei Höfe, 1 Lehen, 43 Sölden und die Badstube. 1818 zählte der Markt 77 Häuser. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Ort fast auf das Doppelte angewachsen (1961: 147 Wohngebäude).
Bissingen ist Sitz einer alten Pfarrei, zu der heute noch Buggenhofen, Buch a. Rannenberg, Göllingen, Hochstein, Kallertshofen, Kesselostheim und Unterbissingen gehören. Abgetrennt wurden im 16. Jahrhundert Oppertshofen und 1847 Stillnau. Außerdem gehört heute zur Pfarrei Bissingen auch die einstige Pfarrei Gaishardt. Die Pfarrkirche St. Peter wurde 1858 in neugotischem Stil anstelle einer von 1682 stammenden Vorläuferin erbaut und 1968 umgestaltet; von der alten Kirche blieb noch der kuppelgedeckte Turm stehen. Am Südostrand des Marktes liegt die Friedhofskirche St. Lazarus, ein Bau aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.
Der aufstrebende Markt ist heute bekannt durch eine stark heliumhaltige Heilquelle, die sog. Auerquelle, die im Jahre 1906 von dem Apotheker Bremauer bei der Stegmühle entdeckt wurde. Im Kurhaus, der einstigen Stegmühle und dem heutigen Radiumbaa, wird das Bissinger Wasser zu Heilzwecken angewandt.
(Aus "DER LANDKREIS DILLINGEN, EHE DEM UND HEUTE", 2. neubearbeitete Auflage 1982)