Hochstein
Das Kirchdorf Hochstein liegt 1,5 km westlich von Bissingen an einem zum Tal von Kessel und Wildbach - kurz vor dessen Einmündung in die Kessel - abfallenden Hang, malerisch überragt von der auf einem Felsstotzen stehenden Margarethenkapelle, einem landschaftlichen Wahrzeichen des unteren Kesseltals.
Der Ort wird erstmals um das Jahr 1130 als Hohenstein genannt. Der Name, ein typischer Burgenname, ist als (Burg auf dem) hohen Stein = Fels zu erklären, er ist also vom Kesseltal, wohl von Bissingen aus, gegeben worden. Auf dieser Burg saßen ursprünglich die Herren v. Hohenstein, in denen wir wahrscheinlich Ministerialen (Dienstleute) der Herren v. Fronhofen-Hohenburg sehen dürfen, später aber und so um 1267, ein Zweig der Herren v. Hohenburg selbst, welcher sich gleichfalls nach Hochstein benannte. Im Schutze der Burg ließen sich bäuerliche Ansiedler nieder, so dass eine typische Burgbergsiedlung ähnlich wie Diemantstein entstand. Dorf und Burg gehörten seit dem Spätmittelalter zur Herrschaft Hohenburg-Bissingen. Vor 1560 entstand - anstelle der wohl im Spätmittelalter vermutlich durch Brand zerstörten Burg Hochstein - auf der Höhe unmittelbar südlich vom Ort ein neues Schloss, ein mehrstöckiger, einfacher Rechteckbau mit steilem Giebeldach, umgeben von einer mit vier Ecktürmen besetzten Maier; dessen Inhaber waren vermutlich um 1531 die Herren v. Horkheim. Es wurde von ihnen vor 1557 an den Inhaber der Herrschaft Hohenburg-Bissingen verkauft. Im frühen 17. Jahrhundert, wohl während des Dreißigjährigen Krieges, dürfte es zerstört worden sein. Von der älteren Burg hingegeben zeugt heute noch die aus dem 17. Jahrhundert stammende Margarethenkapelle, vermutlich die einstige alte Burgkapelle. Die Herrschaft Hohenburg-Bissingen besaß 1559 zu Hochstein außer dem Schloss mit Bauhof einen Hof und 21 Sölden, 1813 bestand das Dorf aus 40 Wohnhäusern; seitdem ist der Ort nicht weiter gewachsen (1961: 40 Wohngebäude). In kirchlicher Beziehung gehört der Ort heute noch zu Pfarrei Bissingen.Am Oberlauf des Wildbachs südwestlich von Hochstein ist ein kleiner Ort Hausen abgegangen, wo um 1150 das Kloster St. Ulrich und Afra in Augsburg begütert war. Der nur ein einziges Mail erwähnte Ort hieß damals Husen, was soviel bedeutet wie zu den Häusern; er war wohl eine von Bissingen aus angelegte Ausbausiedlung. Nachdem sich seine Bewohner im Schutz der Burg Hochstein niedergelassen hatte, wurde Hausen wohl im Laufe des Spätmittelalters aufgelassen.
(Aus "DER LANDKREIS DILLINGEN, EHE DEM UND HEUTE", 2. neubearbeitete Auflage 1982)