Oberliezheim

Das Pfarrdorf Oberliezheim liegt 4 km südwestlich von Bissingen auf der Jurahochfläche zwischen Kessel- und Donautal und zählt zu den höchstgelegenen Siedlungen des Landkreises.
In den Wäldern des westlichen Gemarkungsteils befinden sich wohl hallstattzeitliche Grabhügel. Gleichfalls westlich vom Ort wurden römische Siedlungsspuren festgestellt.
Schon durch seine Lage inmitten von Wäldern in einer Art Rodungsinsel weist Oberliezheim darauf hin, dass es eine jüngere Gründung ist. Auf den Siedlungsvorgang mag der älteste Name des Ortes einen Hinweis geben, denn Oberliezheim wird erstmals im Jahre 1269 als Ödenliedeshain genannt. Dieses Ödenliezheim hält sich bis etwa zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Öd weist  wohl darauf hin, dass Oberliezheim an der Stelle einer älteren und dann aus unbekannten, vielleicht wirtschaftlichen Gründen aufgelassenen Siedlung unbekannten Namens angelegt wurde. Diese Wiederbegründung eines verödeten älteren Ortes mag von Unterliezheim aus vorgegangen sein und der Name Liezheim dann von da auf die neuentstandene Siedlung übertragen worden sein. Der Name Liezheim selbst ist als Heim eines Liudi zu erklären. Zur Unterscheidung von Unterliezheim wurde Ödenliezheim seit dem späten 15. Jahrhundert (nach der Höhenlage) Oberliezheim und (nach der etwas versteckten Lage) mitunter Hinterliezheim genannt.
Mitten durch Oberliezheim verlief der Rennweg, ein entlang des Kammes zwischen Donau- und Kesseltal führender Höhenweg. Sein Name kam wohl daher, dass er eine Wasserscheide zwischen den Donauzuflüssen im Süden und den Kesselzuflüssen im Norden bildete, das Wasser also nach verschiedenen Seiten hin abrann (mit Wettrennen, auf die andere Rennwege ihren Namen zurückführten, hat unser Rennweg höchstwahrscheinlich nichts zu tun).
Oberliezheim hat ursprünglich, wenigstens um die Mitte des 13. Jahrhunderts, in der Grafschaft Oettingen gelegen. Um 1250 besaßen aber die Staufer auf drei Huben im südlich des Rennweges gelegenen Teil des Dorfes das Vogteirecht, welches zur Vogtei Höchstädt gehörte. Mit dem Konradinischen Erbe gelangt 1268 dieses Recht zu Oberliezheim an das Herzogtum Bayern. Auf Grund dieses Vogteirechts sowie der Ansprüche, die die bayerischen Herzöge vom Besitz der Grafschaft Dillingen (ab 1261) herleiteten, gelang es ihnen im Spätmittelalter, wie überall in den zur Vogtei Höchstädt gehörenden Orten, so auch zu Oberliezheim, neben der niederen auch die hohe Obrigkeit und Landeshoheit durchzusetzen. Dabei wurde gen 1400 der Rennweg als Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Bayern (Landgericht Höchstädt) im Süden und der Grafschaft Oettingen im Norden festgelegt. Teilweise folgte dem Rennweg auch die oettingische Geleits- und Wildbanngrenze.
Der Grundbesitz zu Oberliezheim war geteilt. Im südlichen Teil, der seit dem Spätmittelalter zum bayerischen, ab 1505 zum pfalz-neuburgischen Landgericht Höchstädt zählte, war außer dem Herzogtum Bayern bzw. dann dem Fürstentum Pfalz-Neuburg besonders das Kloster Kaisheim begütert (seit 1269); im nördlich gelegenen Teil des Ortes hingegen hatten die Herrschaften Diemantstein  und Hohenburg-Bissingen Besitz. Auffallend ist, dass das benachbarte Kloster Unterliezheim als Grundherr in Oberliezheim nur eine ganz untergeordnete Rolle spielte. Dies kann vielleicht darauf hinweisen, dass Oberliezheim schon vor der Gründung des Klosters Unterliezheim (wieder?) errichtet wurde.
Oberliezheim bestand im Jahre 1560 aus 3 Höfen und 16 Sölden (im pfalz-neuburgischen Teil) sowie aus mehr als 6 Sölden und der Kirche (im oettingischen Teil). Im Jahre 1607 zählte der ganze Ort 28 Häuser, im Jahre 1767 schon 40 Häuser, im Jahre 1813 44 Wohnhäuser. Seitdem ist der Ort nur wenig gewachsen (1961: 49 Wohngebäude).
War der südliche Teil der Ortschaft bereits seit 1268 bzw. seit dem Spätmittelalter bayerisch, so wurde dies der nördlich gelegene Teil von Oberliezheim erst im Jahre 1806. Auch nach dieser Zeit unterstanden sechs Häuser dem oettingischen Amt Bissingen und wurden erst 1851 gleichfalls dem Landgericht Höchstädt zugeteilt.
Oberliezheim ist Sitz einer alten Pfarrei; das Patronatsrecht daran gehörte zur Herrschaft  Hohenburg. Da 1270 der Dekan in Liedesheim als Zeuge für die Herren v. Hohenburg auftritt, darf dies wohl als ältester Hinweis für die Pfarrei Oberliezheim gewertet werden. Die Oberliezheimer Kirche stand schon im einst oettingischen Teil des Dorfes, während mitten durch den Kirchhof der Rennweg lief. Die heutige Pfarrkirche St. Leonhard ist ein Neubau aus den Jahren 1778 - 1780.
In der Flur von Oberliezheim sind einige kleinere Orte abgegangen, so etwa ein nur 1269/71 genanntes Eierloch. Dieser Name ist in seinem ersten Bestandteil schwer zu erklären, möglicherweise deutet er auf eine grundherrschaftliche Abgabe (Eier), welche von einem Loch (= Wand) zu leisten waren. Die Vogtei über die dort gelegenen zwei Huben gehörte zur Vogtei Höchstädt. Auf die Abgangsstelle weist möglicherweise der Flurname Eyerwiesäcker 500 m nordöstlich der Oberliezheimer Kirche. -
Ein Reicherstetten (= zu der Wohnstatt oder zu den Wohnstätten eines Richter) ist schon vor 1411, in dem der Ort erstmals als Richterstetten genannt wird, abgegangen. Grundherrschaftlich gehörte Reicherstetten zur Herrschaft Hohenburg. Auf den Lageort der einstigen Siedlung deutet der Flurname Reicherstetter Äcker 900 m westlich der Oberliezheimer Kirche. - Auf  eine weitere abgegangene Siedlung deutet der Flurname Ober- und Unterweileräcker in der Nähe der oben genannten Eyerwiesäcker hin. Ob diese Flurnamen auf einen Ort Weiler oder aber nur auf den Lageort eines Weilers mit unbekanntem Namen (etwa gar Eierloch?) hinweise, ist ungewiss.

(Aus "DER LANDKREIS DILLINGEN, EHE DEM UND HEUTE", 2. neubearbeitete Auflage 1982)